• Hollarius

    Robin Hobb Das Reich der Uralten / Weitsehertrilogie und folgende

    Heute mal eine der bekannteren Fantasy-Epen, das im Englischen meistens als Realm of the Elderlings bezeichnet wird, das Reich der Uralten ist eine mögliche Übersetzung. Gemeint sind auf jeden Fall die drei Trilogien um Fitz-Chivalric Weitseher und die beiden Serien um Lebendschiffe und die Regenwildnis.

    Die Welt, die die großartige Robin Hobb – übrigens ein Pseudonym von Megan Lindholm, die auch unter diesem Namen publiziert hat – geschaffen hat, verzichtet fast vollständig auf all die klassischen Fantasybestandteile, die es sonst so gibt. Es gibt keine Fantasyvölker, klassische Magie gibt es auch nicht, dafür aber die Gabe und die Alte Macht, und sie verzichtet auch auf große Schlachten und es gibt noch nicht mal irgendwelche tollen Krieger:innen. Ja, es gibt Gewalt, aber anders als man das gewohnt ist.

    Die Serie ist im deutschen Verlagswesen von einem Verlag zum nächsten weitergegeben worden. Serien und Bücher haben dabei jedes Mal einen neuen Namen bekommen. Ich nutze hier so weit das geht die Namen der Penhaligon-Ausgaben, weil das die aktuellen sind. Wer sich die Sachen antiquarisch holen will, sollte auf die Wikipedia-Seite von Robin Hobb gehen, da ist alles aufgeschlüsselt!

    Die Chronik der Weitseher

    Dem Königshaus der Sechs Provinzen ist ein Bastard geboren. König-zur-Rechten Chivalric (Ritterlich) hat einen unehelichen Sohn, den sein Vater – König Listenreich – an den Hof holt, um ihn auszubilden und zu seinem Vasallen zu machen – und zu seinem Assassinen.
    FitzChivalric, eben dieser Bastard, ist unser Ich-Erzähler über viele tausend Seiten und ein absolut faszinierender Charakter. Wir lernen ihn hier im Alter von sechs Jahren kennen, und mit ihm lernen wir die Magie seiner Welt kennen, denn Fitz hat sowohl die Gabe – eine Art Telepathie mit ein paar Sonderfähigkeiten -, die als die Magie des Königshauses gilt, als auch die verpönte Alte Macht, die es ermöglicht, dass er mit Tieren teilweise kommunizieren kann, und vor allem, die ihm ermöglicht, dass er sich mit einem besonderen Tier verschwistert. So wird der Wolf Nachtauge irgendwann sein Brudertier und einer der Buddies, die je ein Charakter hatte.
    Wir lernen auch den Narren kennen, einen fast ewig Jungen Nachfahren einer langlebigen Art, die es früher mal in dieser Welt gegeben haben muss. Er ist der Prophet, der die Welt durch seine Träume retten muss. Und Fitz ist sein Wandler, sein Katalyst, ohne den die Zukunft nicht zu retten ist.
    Merkt man, dass ich diese Reihe liebe? So ein ganz kleines bisschen?
    h

    Das Geheimnis der Seelenschiffe

    Deutlich südlicher als die Sechs Provinzen liegt Bingtown, und dort sind die Seelenschiffe zu Hause. Schiffe aus einem magischen Holz, dass die Erinnerungen und das Wissen ihrer Mannschaften aufnimmt und nach einigen Generationen erwacht. Dann ist die Gallionsfigur plötzlich lebendig und spricht mit der Mannschaft und natürlich vor allem mit den Kapitänen. Im Mittelpunkt der Geschichte gibt es die Reederfamilie Vestrit und deren Seelenschiff Viviace. Na ja, und Kapitän Kennitt, ein wahrlich bösartiger Piratenkapitän, der eigentlich nur auf seine eigene Macht erpicht ist, aber dadurch zur Macht kommt, dass er gegen seinen Willen anfängt, Sklaven zu befreien und gute Dinge zu tun. Ach ja, und irgendwie geht es auch noch um Drachen, aber … geht nicht alles irgendwann um Drachen?
    Ich möchte speziell diese Trilogie soo dringend verfilmt sehen! Fitzens Geschichte mag schwer zu verfilmen sein, weil Gabe und Alte Macht schwierig umzustzen sind, aber die Seelenschiffe? Ach …

    Das Erbe der Weitseher

    Zurück zu Fitz, der sich eigentlich zurückgezogen hat und in Frieden als Einsiedler leben will. Nachtauge ist langsam alt geworden und auf Abenteuer haben die beiden so gar keine Lust. Doch der Narr kehrt zurück, jetzt unter dem Namen Fürst Leuenfarb, und Fitzens Cousin Prinz Pflichtgetreu braucht seine Hilfe, denn auch er hat die Alte Macht und niemand am Hof weiß, wie man damit umgehen mag.
    Ach ja, und irgendwann müssen sie alle los, um für Pflichtgetreu eine Prinzessin zu freien – und natürlich einen uralten Drachen zu retten, aber geht es nicht immer irgendwann um Drachen?

    Regenwildnis-Saga

    Endlich schlüpfen wieder Drachen, die letzten Seeschlangen, die letzten Überlebenden. Aber sie schlüpfen teilweise geistlos, sie schlüpfen mit Behinderungen, keiner der Jungdrachen kann fliegen, manche kennen noch nicht einmal ihren eigenen Namen. Und das Regenwildniskonzil kann die Drachen nicht ewig vor ihren Toren gebrauchen, es ist ja auch alles teuer. Also werben sie junge Drachenberührte an – Menschen, die mit Schuppen und Klauen geboren sind, sowas passiert in der Regenwildnis häufiger – die die Drachen flußaufwärts ins legendäre Kelsingra begleiten sollen. Eine lange verlorene Stadt, von der man sich nicht sicher ist, ob es sie überhaupt gibt. (Sie hätten Fitz fragen sollen, der war schon mal da.)
    Die Drachen verbinden sich mit ihren Hütern und sie gehen auf eine ereignisreiche Reise.
    Und verflucht sei Heyne, die nur die ersten beiden Romane übersetzten. Die Serie ist ein bisschen sperrig und war kein großer Erfolg, gehört aber dringend zum Gesamtwerk und ich mag sie auch total. (Viel tragischer ist das für meine inzwischen 72jährige Mutter, die die Bücher auch über alles liebt, aber kein Englisch kann …)

    Das Kind des Weitsehers

    Der Abschluss von Fitzens Geschichte, und natürlich auch der Geschichte des Narren. Spät wird Fitz ein seltsames Kind geboren, die winzige und sehr hellhäutige Biene Weitseher, die wie der Narr das besondere prophetische Blut hat. Und irgendwann wird das Kind geraubt und der Narr kehrt zurück und Fitz muss noch mal ran und auf eine große Reise gehen. Ach ja, wir kommen auch in Kelsingra vorbei, treffen ein paar Vestrits und natürlich die Seelenschiffe Paragon und Viviace – es muss ja alles zusammen zu einem großen epischen Ende gebracht werden. Ich hab selten bei Fantasy so viel geheult, nein, ich habe noch nie bei Fantasy so viel geheult, wie bei dieser Serie.

    Ja, es ist pure Liebe. Ich kann nur dafür werben.

    PS Ja, die Menschen in den Sechs Provinzen haben oft sprechende Namen, speziell im Königshaus. So heßen Fitzens Onkel Veritas – das ist der gute Onkel – und Edel – das ist das Arschloch. Fitz Stiefmutter Prinzessin Philia (also die Liebende) ist schlecht übersetzt. Sie heißt im Original Princess Patience, was so ziemlich das Gegenteil ihres Charakters ist. Es klappt also nicht immer, dass die Kinder auch den Charakter haben, den ihr Name vorgibt.
    PPS Der Narr ist übrigens eine genderfluide Person, die in Bingtown als Frau bekannt ist und dort auf den Namen Amber hört.

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  • Hollarius

    Guten Morgen da draußen!
    Gestern war ein Wenig-Schreibtag, irgendwie war mir alles zu viel und hey, ich bin noch vor meinem Soll, was soll’s. Heute fängt nach ein bisschen Lohnarbeit das Wochenende an, also ein bisschen Hausarbeit einrechnen, gegen Abend einkaufen fahren, ich geh mal davon aus, dass zwischendurch ein bisschen was an Schreib- und Überarbeitungszeit übrig bleibt. Dann kommt mal alle gut ins WE!

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  • flügellos

    @lmtl ja, ich finde sie ein bisschen ableist. Zum einen, weil der autistische Arzt von einem neurotypischen Schauspieler gespielt wird. Zum anderen, weil es immer wieder Charaktere gibt, die Shaun in Frage stellen. Und zum dritten, weil es bei den Patientenfällen sehr oft auf Heilung um jeden Preis hinausläuft.

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  • LMTL

    @flügellos sagte in Allgemeiner Serienplauderthread:

    Und leider finde ich die Serie ziemlich ableist, ohne, dass das jemals thematisiert wird.

    Du findest eine Serie um einen autistischen Arzt ableist?
    Ich bin leider bisher nicht dazu gekommen, die Serie wirklich zu binge-watchen, aber bisher hatte ich da einen anderen Eindruck …? :thinking_face:

    Edit: Mir ist grad aufgefallen, dass das ein doofer Moment ist, um diese Frage zu stellen. ^^ Sry. Kannst es überlesen.

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Es scheint als hättest du die Verbindung zu Schreibnacht verloren, bitte warte während wir versuchen sie wieder aufzubauen.