This is my religion – oder: Warum du dir Gottheiten und Religionen für deine Geschichte ausdenken solltest

Monotheismus und Polytheismus
Bei diesem Unterpunkt werde ich den Begriff „Götter“ verwenden. Polytheismus, also der Glaube an mehrere Götter, kommt in faste jeder phantastischen Literatur vor.
Wenn du in deiner Geschichte stattdessen Monotheismus verwendest (der Glaube an einen alleinigen Gott), dann lies dir dieses Thema trotzdem durch. Es kann auch für dich interessant sein.

Zum Teufel, wofür braucht meine Geschichte/ die Kultur eine Religion?

Falls du dir diese Frage gerade stellst, so ist die Antwort einfach: Der Mensch ist auf der Suche nach einem Sinn im Leben: Nach dem Sinn seines eigenen Leben, dem Sinn der Menschheit und einem Sinn im Tod. Er stellt sich Fragen wie “Warum muss man sterben?” oder “Gibt es einen sinnvolen Tod?” oder "Gibt es ein vorbestimmtes Schicksal?"
Manchmal ist es ein prägendes Ereignis, was die Sinnfrage anstößt, manch einer trägt die Sinnfrage schon sein ganzes Leben mit sich herum und sucht Antworten.

Eine Religion bietet/ kann bieten:

  • Antworten auf Fragen

  • Gemeinschaft

  • Einen Sinn

  • Sicherheit (durch Rituale)

  • Stärkung der eigenen Persönlichkeit

  • Prägung (durch Historie der Religion)

Nicht alle Punkte sind auf jede Religion anwendbar. Die Persönlichkeit der Gottheit sollte dabei berücksichtigt werden.

Die Persönlichkeit der Gottheit

Nach der Persönlichkeit der Gottheit richtet sich die ganze Religiosität aus.
Wie ein Gott gesehen werden will, bzw. wie die Menschen ihn sehen, hat auch großen Einfluss auf die Art und Weise, wie die Gläubigen ihren Gott verehren. Die gesamte Religionsausübung ist auf die Persönlichkeit des Gottes hin ausgerichtet.

Wie soll die Persönlichkeit der Gottheit sein?

Die Gottheit ist im Grunde nichts anderes als ein weiterer Charakter in eurer Planung – und doch ein bisschen mehr.
Die Persönlichkeit des Gottes kann zum Beispiel wie folgt aussehen:

  • Launisch, herrisch, reizbar, kriegerisch, ungezähmt

  • Liebevoll, schützend, verzeihend, gütig

  • Verschlagen, listig, auf den eigenen Vorteil bedacht

  • Strafend, vernichtend, Grenzen ziehend

Aus der Persönlichkeit der Gottheit lassen sich auch die Attribute ableiten.
Launisch und ungezähmt sind zum Beispiel der Wind oder ein wildes Pferd. Liebevoll und schützend wäre vielleicht ein Muttertier, verschlagen und listig ein Fuchs, vernichtend zum Beispiel das Feuer oder ein Schwert.

Die Elemente, Tiere oder Gegenstände, die die Gottheit als Attribute besitzt, sollten zu seiner Persönlichkeit ebenso passen wie zu der Kultur, zu der der Gott gehört.

Die Mythologie

Bei der Schöpfung von Mythologie und den Göttern beziehe ich auch die geografische Lage und die natürliche Umgebung mit ein.
Ein Beispiel, warum ich dieses Vorgehen für wichtig erachte: In den nordischen Mythologien haben Bären, Adler, Raben und Pferde eine große Bedeutung. In der ägyptischen Mythologie sind Krokodil, Schakal und Kranich heilige Tiere.
In der nordischen Mythologie kommen Berge, Schnee und Donnergrollen vor.
In der ägyptischen Mythologie sind es der Nil, die Sonne und die Wüste.

Wie du siehst, fügen sich Tiere und Natur der natürlichen Umgebung der jeweiligen Kultur in die Mythologie mit ein.

Zu der Umgebung gehören außer der Geografie auch die heimische Tier und Pflanzenwelt. Dies alles ist maßgeblich für die Schöpfungsgeschichte, Riten und die religiöse Verehrung. Und, wie im Punkt davor schon erwähnt, spielt es auch in den Attributen der Gottheit eine Rolle.

  • Überlege, wie du die Umgebung, in der deine Kultur angesiedelt ist, in die Mythologie verweben kannst.

  • Mythologie: Welche Sagen und Mythen gibt es, die das Leben und die Menschen in ihrem Handeln und Denken beeinflussen?

  • Kleiner Tipp: hiervon lassen sich auch Heilige Feste ableiten.

Nutze die Umgebung und die natürlichen Begebenheiten auch für die Schöpfungsgeschichte und Attribute der Götter.

  • Schöpfungsgeschichte: Wie sind die Götter, wie und warum ist die Welt entstanden, wie und warum die Menschen?

  • Attribute der Götter: Wofür stehen sie und welche Eigenschaften haben sie?

Die Bedeutung von Ritualen

Rituale prägen den Zusammenhalt einer Gemeinschaft. Sie sind nichts Einmaliges, sondern Wiederkehrendes. Rituale folgen einem bestimmten zeitlichen und örtlichen Rhythmus und besitzen meist einen festen Ablauf und verfolgen ein Ziel.

Ein ganz banales Beispiel dafür: die gemeinsame Mahlzeit einer Familie bei Tisch.
Zeit: Abends um 19:00
Ort: Esszimmer
Ablauf: Das gemeinsame Einnehmen der Mahlzeit
Oberziel: Stärkung der Gemeinschaft (Familie)
Feinziele: Austausch über den Tagesablauf des Einzelnen, Besprechung von Problemen und Lösungen, Planung des nächsten Tages

Das Ziel ist hierbei der wichtigste Punkt, denn ein Ritual ohne Ziel macht keinen Sinn.
Ich habe dieses noch einmal in Oberziel und Feinziel untergliedert, um es zu vereinfachen.

Anhand des Beispiels seht ihr, dass Rituale nicht nur im religiösen Leben zu finden sind. Jeder Mensch hat eigene, oft auch unbewusste Rituale. Die Morgenzeitung beim Kaffee, das ausgiebige Schminkprogramm vor dem Spiegel, das Feierabendbier … Beobachte dich einmal selbst dabei, welches eure Rituale sind.

In der Religion besitzen Rituale einen spirituellen Sinn. Die Gottheit wird in das Ritual einbezogen, und die Handlung, Ort und Zeit und die Ziele richten sich oft nach dieser Gottheit und wofür sie steht.

Die Ziele eines religiösen Rituals

  • Demonstration der Macht der Gottheit

  • Verehrung der Gottheit

  • Besänftigung der Gottheit

  • Buße

  • Kontaktaufahme mit der Gottheit

  • Bitte an die Gottheit (z.B. um Schutz, Stärke im Krieg, …)

Das religiöse Ritual – nur echt mit Atmosphäre!

Wenn der Priester sich am Sonntag in vollen Ornat kleidet, wenn die Schamanen sich Zeichen auf die Stirn malen, dann bereiten sie sich darauf vor, mit ihrer Gottheit in Kontakt zu treten – bzw. als Sprachrohr des Gottes zu den Gläubigen zu sprechen.

Die besondere Kleidung der Würdenträger gibt sowohl Hinweis auf ihre Stellung in der Gemeinschaft, als auch darauf, welcher Anlass ansteht. Durch Symbole, Schriften, Gegenstände, die Farbe der Gewänder oder ihre Art sie zu tragen kann man dies erkennen. Der Geruch bestimmter Zweige und Gewürze, die verbrannt werden, liefern ebenfalls einen Hinweis. Oft spielt auch der Zeitpunkt, an dem das Ritual stattfindet (Vollmond, Samhain) eine wichtige Rolle.

Doch auch die Gläubigen sind meist nicht anwesend, ohne sich vorher herausgeputzt zu haben. Vielleicht sind auch sie besonders geschminkt, haben sich die Haare geschoren oder zuvor ihr Haus geputzt und mit duftenden Ölen ausgeräuchert.

Es gibt viele Möglichkeiten, ein Ritual in seine mystische Atmosphäre zu tauchen.

  • Wahl des Zeitpunktes

  • Tracht der Priester der Gottheit (Gewandung und Gegenstände)

  • Tracht der Gläubigen

  • Besondere Speisen

  • Besondere Gerüche

  • Besondere Getränke

  • Besondere Lieder, Gesänge und Tänze

  • Besondere Gebete

Das religiöse Fest

Die Punkte, wie man die Atmosphäre eines religiösen Rituals hervorrufen kann, finden auch bei religiösen Festen Anwendung.
Hier sollten Tracht, Kleidung, Liedgut, etc. in anderer Form auftauchen. Ein Fest ist noch eine Spur besonderer als ein Ritual. Feste werden zwar mit einer gewissen Gleichmäßigkeit gefeiert (und ihre Abläufe folgen meist festen Regeln), jedoch treten sie seltener im Jahr auf und bieten so für die Gläubigen einen Höhepunkt.
Überdies haben religiöse Feste einen Bezug zur Mythologie der Gottheit, wie zum Beispiel:

  • der Wechsel der Jahreszeiten (der Sommer vertreibt den Winter als Kampf zwischen zwei Göttern)

  • Der Gott zeigt sich den Gläubigen (dazu müsste er den Rest des Jahres vor ihnen verborgen sein)

  • Das Gute siegt über das Böse (dazu müsste es diese Gegensätze in der Mythologie und Götterwelt geben)

  • Das Fest der Fruchtbarkeit, der Sonne, des Mondes, … (Feste, in denen der Gott gefeiert wird für das, was er steht)


Zusammenfassung: Ja, das Thema Religion, Glaube und Gottheiten ist sehr vielschichtig. Es war mir aber wichtig, dies alles aufzulisten, um einen breiten Einblick zu geben. Es ist mir vollkommen klar, dass du dieses Thema nicht in 2-3 Tagen bearbeitest. Nutze die Zeit aber trotzdem, um es auszuprobieren.

Für Fragen steht der Frage-Thread wie immer offen, und Gespräche über Religion und andere Themen finden in der Event-Lounge statt. Ich habe frischen Kaffee und Kekse besucht, und es ist auch noch etwas von dem leckeren Eintopf da.
Wenn du dir Feedback zu einer erarbeiteten Aufgabe wünschst, dann poste sie doch im Feedback erwünscht-Thread. Das Feedback erfolgt in der Lounge, gesell dich doch zu uns!
Du verzweifelst an deinen Göttern und deine Charaktere wissen selbst nicht, woran sie glauben sollen? Suche die Roman-Rettungs-Kapsel auf! Wir helfen uns gegenseitig.