• A
    Anne Freytag

    Das freut mich. Ich freue mich auch nicht über Leute, die meine Arbeit zerreißen, aber zum einen muss ich zugeben, dass das wirklich nur sehr selten passiert und zum anderen: Schriftsteller erschaffen etwas. Wir erschaffen etwas, das es vorher nicht gegeben hat. Die meisten menschen beurteilen nur das, was wir erschaffen. Kreative Menschen sind mutig. Sie geben etwas von sich selbst. Und es wird immer jemanden geben, der sich darüber auslässt, aber ganz ehrlich … die meisten von diesen Leuten sind doch eigentlich völlig egal. Und sie werden nie wissen, wie viel es einen kosten, etwas von sich preiszugeben. Ich liebe jeden meiner Charaktere. Und klar finde ich es blöd, wenn jemand sagt, sie sind scheiße - aber für mich sind sie es nicht. Und das ist letztlich alles was zählt.

    posted in Fragestunde mit Anne Freytag read more
  • A
    Anne Freytag

    Über eintausend seltsame Umwege bin ich darauf gekommen, dass ich schreiben will. Ich habe nicht viel gelesen und ich hätte nie gedacht, dass ich mal schreiben will.
    Angefangen hat es während des Studiums – es war ein sehr trockener und eher verkopfter Studiengang, den ich hauptsächlich gewählt habe, weil meine Vernunft Zukunftsängste hatte und ich nicht wirklich wusste, was ich machen will. Wenn man das Glück hat, alles tun zu können, ist dieses „Alles“ manchmal so enorm und einschüchternd, dass man lieber erst einmal gar nichts macht. Oder in meinem Fall eben irgendwas.
    Eines Tages hatte ich diese drei Stimmen von drei Mädchen im Kopf - drei Mädchen, die weder Kinder noch Erwachsene sind und die versuchen, sich im ganz normalen Teenager-Wahnsinn zurecht zu finden. Inmitten der Zweifel, des (oft selbst kreierten) Dramas und diesem niedlichen Irrglauben, dass ein Führerschein, eine eigene Wohnung und Sex das Erwachsensein definieren. Ich hatte nie den Plan ein Buch zu schreiben. Auch während des Schreibens nicht. Es war einfach eine Seite nach der anderen – bis zu diesem magischen Wort „Ende“. Das kam dann auf Seite 620. Dieses Gefühl werde ich garantiert niemals vergessen. Es war magisch.
    Ich habe dann noch zwei Romane geschrieben und die auch zu Agenturen und Verlagen geschickt, aber das war leider nichts. Und dann habe ich es eines Tages über Amazon versucht. Und es hat so gut funktioniert, dass ich es anfangs gar nicht glauben konnte. So habe ich Adriana kennengelernt und wir haben dann aus einer Idee (Make it count) Realität gemacht. Und eins führte zum anderen. Plötzlich hatte ich eine Agentur und die Verlage, die mich vorher abgelehnt haben, wollten plötzlich mit mir arbeiten . Ich habe im Nachhinein erfahren, dass die meisten Einsendungen nie gesichtet werden.Die Agentur hatte mich übrigens auch abgelehnt. Und mich dann ein paar Jahre später unter Vertrag genommen. Mein Weg war nicht wirklich gradlinig, aber er war gut. :-)

    posted in Fragestunde mit Anne Freytag read more
  • A
    Anne Freytag

    Ich verrate dir ein Geheimnis: In meinen Geschichten bin ich Gott - ich darf alles - solange die Charaktere damit einverstanden sind. Ich denke, wenn sie glücklich sind, passt es. Ich sehe es auch nicht so, dass ich Tessa “umgebracht” habe. Tessa war todkrank. Ich habe ihr ein kurzes Leben voller Liebe geschrieben. Ich denke also, du darfst da alles rauslassen. Es kann einen nicht jeder lieben. Du musst lieben, was du tust - niemand sonst. Und ich bin überzeugt davon, wenn du es liebst und kritisch mit dir bist und dir eingestehst, dass man Vieles noch besser machen kannst und dich dann noch einmal dran setzt und noch mehr daran arbeitest, dann werden es andere auch lieben. Zumindest ist das das, was ich erfahre.
    Und ich muss sagen, nach einer Weile, BIN ich meine Figuren. ich krieche in ihren Kopf. Und das liebe ich an diesem beruf. ich darf mein Leben lang Geschichten erzählen. :-)

    posted in Fragestunde mit Anne Freytag read more
  • A
    Anne Freytag

    Ich überarbeite immer währenddessen. deswegen kommt es mir manchmal auch so vor, als würde ich nicht vorankommen. Ich schreibe und am nächsten Tag lese ich, was ich geschrieben habe. manchmal ist das schon gut (genug), manchmal fluche ich und arbeite daran, bis es mir gefällt. das bedeutet, ich schreibe und überarbeite immer im Wechsel. Und das funktioniert für mich sehr gut, weil ich dann am Ende nicht mehr so einen Batzen zu tun habe. Die Überarbeitung mit Lektoren geht dann echt schnell. 14 Tage, dann ist es durch. Und das ist mir lieber, weil ich dann meistens schon mit dem nächsten Buch anfange.

    posted in Fragestunde mit Anne Freytag read more
  • A
    Anne Freytag

    Ich muss zugeben, dass ich an Schreibblockaden nicht glaube. Ich glaube eher an “Ich habe keine Lust”, oder “Ich will nicht” und ich denke, dass das bei kreativen Berufen auch normal und in Ordnung ist. Etwas, das mir aber hilft, wenn man mal feststeckt, ist Folgendes: Ich bitte eine Freundin mir einen Satz zu nennen. Egal, was. Es muss aber grob genug sein, damit man ihn immer verwenden kann. In etwa “Das kann nicht dein Ernst sein!” Und diesen Satz muss ich unterbringen - das wirkt Wunder.
    Und der zweite “Trick”: Ich habe eine App, die die Zeit runter zählt. Comodoro. Sobald ich den Zeitdruck spüre, will ich etwas schaffen. Und ich habe bemerkt, dass diese25 Minuten wirklich helfen. Entweder bin ich dann drin, oder eben nicht. Und wenn nicht, kann ich auch etwas anders machen. :-) Aber meistens läuft es dann wie am Schnürchen.
    Der Grund warum ich an die Schreibblockade nicht glaube, ist, dass sie meistens verschwindet, wenn der Zeitdruck zu hoch wird. Plötzlich geht es. Weil es “muss”.

    posted in Fragestunde mit Anne Freytag read more
  • A
    Anne Freytag

    Am längsten dauert leider echt das Überarbeiten. Zumindest fühlt es sich so an. Das ewige Schleifen und Feilen. Der Plot ist meistens recht schnell da. Außer - wie dieses Mal - wenn sich ein Charakter zwischendrin in jemand anders verliebt. Das ist ärgerlich, aber dem muss ich mich beugen.
    Von der ersten Idee bis zum fertigen Roman ist schwer zu sagen, weil ich oft die Ideen schon sammle, während ich noch mit einem anderen Projekt beschäftigt bin. Ich würde sagen zwischen 3 und sechs Monate. Wobei ich “nur” 3-4 Monate an einem Roman schreibe. Das davor ist Recherche und die passiert nebenher. Und bei dir? :-)

    posted in Fragestunde mit Anne Freytag read more
  • A
    Anne Freytag

    Danke an euch und die tollen Fragen!
    Ich schaue vielleicht später noch mal rein, wenn meine Zugangsdaten noch lassen. :-)

    posted in Fragestunde mit Anne Freytag read more
  • A
    Anne Freytag

    Den wünsche ich euch allen auch! Schönes Schreiben! :-)
    ich gehe mal kochen. Gutes Gelingen und viel Spaß in euren Welten.

    posted in Fragestunde mit Anne Freytag read more
  • A
    Anne Freytag

    Ich hoffe, sie helfen vielleicht dem einen oder anderen ein bisschen weiter. :-D das würde mich zumindest freuen.

    posted in Fragestunde mit Anne Freytag read more
  • A
    Anne Freytag

    Na schau an. So kann es gehen. Meine ersten Romane habe ich auch eher in einigen Monaten geschrieben, die neuen Projekte schneller. An “Mein bester letzter Sommer” habe ich effektiv drei Monate geschrieben. reine Schreibzeit. Aber ich habe mir davor 87465876 Gedanken gemacht. :-)

    posted in Fragestunde mit Anne Freytag read more
  • A
    Anne Freytag

    Ja, das tue ich - ziemlich lange sogar. Ich habe das Gefühl, die Charaktere finden mich. ich wohne fast auf Pinterest und dankganz plötzlich sehe ich zwischen all den Gesichtern eines, und das ist es dann. Ohne diese Gesichter und Bilder könnte ich mich nicht auf die Art hineinversetzen, die ich brauche. ich habe bei Pinterest meine geheimen Pinnwände auf denen ich alles sammle. Die Wohnungen, den Kleidungsstil, das Gesicht, den Haarschnitt, … alles.
    Manchmal passiert das von ganz allein, manchmal suche ich etwas ganz Bestimmtes. Aber bisher hat es noch immer geklappt. Ich brauche zum Schreiben Musik und Pinterest. Und Kaffee. :-)

    posted in Fragestunde mit Anne Freytag read more
  • A
    Anne Freytag

    Das zwar nicht (was ich aber ziemlich cool finde!), aber bei mir kommen immer wieder dieselben Lieder vor. Weil sie so gut sind, dass ich von Buch zu Buch vergessen, dass ich sie schon mal erwähnt habe. Das ist also eine Gemeinsamkeit von all meinen Charakteren. Sie mögen (nein lieben!) “Band of Horse - The Funeral”. :-)

    posted in Fragestunde mit Anne Freytag read more
  • A
    Anne Freytag

    Ganz ehrlich? Das würde mich ja echt reizen. Aber es gibt ein paar Gründe, die dagegen sprechen. Zum einen die Zeit - ich schaffe nicht mehr, als ich momentan schreibe. Vielleicht also irgendwann mal. Und zum zweiten: Ich fürchte mich vor dieser Tür in meinem Kopf. Wenn ich diese Tür zu den düsteren bösen Gedanken einmal aufgestoßen habe, bekomme ich sie dann wieder zu? Oder fürchte ich mich dann vor mit selbst? :O
    Wer weiß … vielleicht ja eines Tages. :-)

    posted in Fragestunde mit Anne Freytag read more
  • A
    Anne Freytag

    Ich kann nicht “belegen”, ob es etwas gebracht hat, aber ich würde sagen ja. Und das ganz einfach, weil Bilder und Musik sehr schnell “greifen”. Bücher haben es in manchen Dingen sehr schwer. Cover, Klappentext, Titel und Leseprobe - bis auf das Cover sind das alles Worte. Ein Trailer erzeugt Gefühle, die bei einem Roman erst mir der Zeit wachsen können. Daher würde ich sagen, es bringt etwas. Und wenn es nur ist, dass Leute wissen, dass sie das Buch nicht lesen wollen - man will ja keine, die einem das Buch dann nur zerreißen, weil sie eigentlich nur Krimi lesen (alles schon passiert). Die Trailer haben Adriana und ich früher selbst gemacht - das Bildmaterial haben wir gekauft. Es gibt Abos, da kann man das recht günstig machen. So für einen Monat jeden tag XX Bilder. Und dann haben wir die gemacht. Inzwischen macht die der Verlag - wenn er will. Bei “Mein bester letzter Sommer” haben sie einen gemacht und ich finde, der transportiert sehr viel.
    Inzwischen machen sehr viele Leute Trailer für Bücher. Jetzt ist es wieder schwer aus der Masse herauszustechen. Aber ich denke, es lohnt sich, wenn man kein Nischengenre bedient. Wenn es ein massentaugliches" gerne ist, kann es nicht schaden. Aber es ist Arbeit und man muss schon auch ein bisschen Geld in die Hand nehmen. Aber es macht auch Spaß. :-)

    posted in Fragestunde mit Anne Freytag read more
  • A
    Anne Freytag

    Ich hatte die Grundidee zu “Mein bester letzter Sommer” vor knapp 5 Jahren beim Einkaufen. Und da kam mir ein Satz in den Kopf. Und zwar: Ich suche einen Freund zum Sterben. das war dann auch der Titel des Romans. Ist nicht durchgegangen, aber das war er. Und um diesen Satz hat sich dann eine Idee nach der anderen gesponnen. Eines Tages habe ich einen Zeitungsartikel über eine Frau gelesen, die genau die Krankheit hatte, die Tessa dann auch hatte. Ich wollte, dass es etwas ist, das es wirklich gibt. Also ja, diese Krankheit gibt es. Und die betroffene Frau hat in dem Interview gesagt, dass sie eigentlich gesund ist. Bis auf die Symptome, die Tessa eben auch hat.
    Ich erlaube mir hier und da, Dinge zu erfinden - die Medikamente sind einfach erfunden, aber die Krankheit an sich gibt es. Leider.

    Hat dir das Buch denn gefallen? :-)

    posted in Fragestunde mit Anne Freytag read more

Looks like your connection to Schreibnacht was lost, please wait while we try to reconnect.