• marinacgn

    @noely Dann drücke ich es mal etwas anders aus und nenne ein Beispiel (nicht queer, sondern mit einer Krankheit/Behinderung): Du willst in deinem Roman eine Figur unterbringen, die einen Schlaganfall hatte und sich ins Leben zurückgekämpft hat (um mal eine Gruppe zu nennen, die größer ist, wie nur 10 auf der Welt). Er musste neu sprechen lernen, hat wieder laufen gelernt, essen, trinken, alles. Aber er hatte eine positive Einstellung dabei und ist ein Mensch, der sich noch nie hat unterkriegen lassen. Deshalb hat er auch einen gesunden Ehrgeiz entwickelt und war innerhalb von zwei Jahren wieder voll arbeitsfähig. So was gibt es. Tolle Geschichte.
    Dann liest das jemand anderes mit vielleicht nicht so positivem Verlauf, der das, was der obige in zwei Jahren wieder konnte, in fünf Jahren nicht geschafft hat. Der fühlt sich nicht repräsentiert und sagt, das was du da schreibst, ist völliger Blödsinn und könne so im wahren Leben gar nicht sein.
    Du hast aber nunmal den, der es tatsächlich nach zwei Jahren geschafft hat, als own voice gehabt.

    Ähnlich stelle ich es mir bei queeren Leuten in einem mehr oder weniger toleranten Umfeld vor. Ich kenne mich damit nicht aus, aber je nach dem wen ich als own voice habe fällt meine Expertise völlig anders aus. Und das ist nicht falsch. Das ist das Leben.

    Verfasst in Plauderecke weiterlesen
  • Bianca

    So, nachdem ich ein paar Forum-Sachen gemacht hab, schaffe ich dann vielleicht auch endlich mal dieses Wochenende noch ein bisschen was schreibtechnisch :joy:

    Verfasst in Schreibmarathon Wochenende weiterlesen
  • Noely

    @marinacgn ich meinte nicht das Gefallen, sondern das Sich-Repräsentiert-Fühlen. Den Anspruch, etwas zu schreiben, das jedem GEFÄLLT, habe ich nicht, aber das war doch hier auch nicht das Thema.

    Verfasst in Plauderecke weiterlesen
  • marinacgn

    @noely ich sehe es weiterhin so, dass man als Autor keine Texte schreiben muss, die jedem gefallen. Weil das ist unmöglich. Und das lese ich aus deinem Text raus. Ich glaube, was @NelaNequin meint (und sie darf mich gern korrigieren, wenn ich falsch liege) ist, dass man sich überhaupt mit Leuten, die einer mir nicht eigenen Gruppe angehören, die ich in meinem Roman unterbringen will, unterhält und auseinandersetzt. Und dass man mit offeneren Augen durch die Welt geht und nicht jede Sache, die Angehörigen dieser Gruppen auf die Füße fallen, unter “das ist Kunst, ich darf das” verbucht.

    Und zum Thema: “Wenn du x interviewst, kann y das schon wieder völlig anders sehen”: Das hast du doch bei jedem Thema, von dem mehrere Leute betroffen sind. Jeder Mensch geht mit seinem Leben und seinen Voraussetzungen anders um, jeder hat verschiedene Toleranzgrenzen und empfindet anders. Das kannst du doch gar nicht vermeiden.

    Verfasst in Plauderecke weiterlesen
  • Moe

    @serenitywing
    Dankeschön:heart: kramtjetztauchihrenDickinsonbandraus

    Verfasst in Schreibnacht Buchclub weiterlesen
  • Zaje

    Bin mal so frech und trage meine Etappen von gestern nach :sweat_smile:

    20.00-20.20
    20.30-20.50
    :arrow_right: Anfang eines Kapitels abgetippt
    21.00-21.20
    21.30-21.50
    22.00-22.20
    22.30-22.50
    :arrow_right: Sehr mühsam das Kapitel eher schlecht als recht überarbeitet >.<

    Verfasst in Schreibmarathon Wochenende weiterlesen
  • Noely

    Ich verfolge diesen Thread jetzt schon länger und finde die Diskussion hochinteressant, weil sie ja immer wieder auftaucht.

    Bei alldem habe ich allerdings eine Frage, die wahrscheinlich total blöd klingt. Und dafür bitte ich um Entschuldigung.
    Also: Repräsentation ist wichtig. Das verstehe ich und mit den hier genannten Argumenten, dass Kunst und Medien kein Vakuum darstellen, gehe ich mit.
    Gleichzeitig gibt es die Forderung nach mehr Own Voices. Auch da gehe ich mit.
    Allerdings stelle ich mir dann manchmal die Frage, ob ich als z. B. nicht queere Autorin einem queeren Charakter dann überhaupt gerecht werden kann. Es gäbe natürlich die Möglichkeit, Sensivity Reader mit einzubeziehen, aber wenn ich jetzt beispielsweise einem/einer queeren Testleserin den Text geben würde, dieser merkt Dinge an und ich überarbeite ihn - es könnte ja immer noch sein, dass hundert andere queere Leser immer noch finden, dass der Charakter sie nicht oder falsch repräsentiert. Queere Menschen sind ja nun auch keine monolithische Masse, bei der man die Ansichten einer Einzelnen auf alle übertragen kann.
    Was und wie viel kann man als Nichtbetroffener von manchen Dingen also tun?

    Oder um noch mal mein Beispiel mit dem Geisha-Projekt von letztem Monat aufzugreifen: Ich habe auch schon öfters Diskussionen gelesen, die mehr Diversität in der Fantasy fordern. Also beispielsweise weniger “pseudo-europäisches Mittelalter”, was ja in dem Genre recht häufig vorkommt.
    Auch hier wieder die Frage: Inwiefern ist es dann gerechtfertigt, sich andere Kulturen als Inspiration zu nehmen? Mit dem europäischen Mittelalter tun es ja auch alle, und da werden ja häufig auch nur einzelne Aspekte übernommen, der Rest wird so gestaltet, wie es für die Story passt. Hier stoßen wir bei kolonialisierten oder unterdrückten Kulturen (auf den Aspekt hat mich @NelaNequin in der Cultural-Appropriation-Diskussion gestoßen, danke dafür!) dann schnell auf die Problematik der Aneignung.

    Hier wäre natürlich der erste logische Schritt, mehr Stimmen aus anderen Kulturkreisen zu fördern, die eben solche Welten erschaffen. Das finde ich auch wichtig und will versuchen, mehr in diese Richtung zu lesen.
    Nur was bedeutet das dann für mich als weiße, europäische Autorin? Kann ich etwas als Inspiration nehmen, was nicht ursprünglich aus meiner Kultur kommt?
    Auch hier wieder die Frage: Wenn sich hundert Leute in einem Text repräsentiert fühlen, können hundert andere das ganz anders sehen. Und wenn diese hundert Leute das sagen, sind ihre Worte nicht weniger gerechtfertigt. Wenn man dieses Argument zuende denkt, gibt es ja keinen einzigen Text, in dem sich jeder korrekt repräsentiert fühlt. Weil ja nun auch Mitglieder marginalisierter Gruppen ihr Leben unterschiedlich leben und unterschiedlich sozialisiert werden, weil es Intersektionalität gibt etc.
    Das soll jetzt nicht heißen, dass Rassismus, Ableismus etc. nur Dinge sind, die bestimmte Leute eben “fühlen” und andere nicht. Ich hoffe, es kommt nicht so rüber, als würde ich das denken. Es sind natürlich reale Probleme.

    Als “Verbot” betrachte ich die ganzen Diskussionen zu diesem Thema nicht, sondern als Anregungen, aber ich muss halt zugeben, dass diese Anregungen mich halt auch ziemlich verunsichern.

    Und sorry, dass einiges plötzlich kursiv ist. Ich hatte nicht daran gedacht, dass das Forum die Fenstersternchen ja als Kursiv-Sternchen sieht :D

    Verfasst in Plauderecke weiterlesen

Es scheint als hättest du die Verbindung zu Schreibnacht verloren, bitte warte während wir versuchen sie wieder aufzubauen.