• Hollarius

    Im Morgengrauen / Der Gesang der Toten / Der Fornit – Blut / Skeleton Crew

    Ich muss erst mal die Titelzeile erklären. Die Kurzgeschichtensammlung Skeleton Crew wurde aus dem Amerikanischen übersetzt und im Deutschen in drei Teile geteilt, das sind die ersten drei Titel. Deutlich später wurde Skeleton Crew dann im Deutschen unter dem Namen „Blut“ noch mal veröffentlicht, der unter den oft stumpfsinnigen deutschen Titeln von King-Büchern schon noch mal als besonders stumpfsinnig heraussticht.

    Skeleton Crew entstand in der goldenen Ära des jungen Horrorautoren Stephen King. Soll heißen, er schrieb diese Kurzgeschichten zum größten Teil in den frühen Achtzigern. Hier gibt es kaum noch Frühwerke, wie in der Nachtschicht.

    Herausragend erwähnt werden muss der Kurzroman „Der Nebel“. Wer den Film von Frank Darabount vielleicht gesehen hat, kennt die Geschichte: Ein Vater fährt mit seinem Sohn nach einem furchtbaren Sturm in den nächsten Supermarkt, und als sie drin sind, kommt ein furchtbar dichter Nebel und in dem Nebel sind sehr bösartige und oft riesige Tiere. Und drinnen im Supermarkt wird die Stimmung auch nicht besser.
    King hat vieles geschrieben, was irgendwie gruselig ist. Aber ich glaub, kaum eine Geschichte hat mich je so gefesselt und gegruselt wie „Der Nebel“. Eine Geschichte, nach der die Welt irgendwie dunkler und gefährlicher aussieht und man Nebel erst mal nicht so dringend braucht.

    Der Rest der Geschichten ist kürzer. Aber oft genauso böse und dunkel. Ein paar Beispiele:

    „Omi“ zum Beispiel. Ein elfjähriger Junge ist alleine zu Hause, als seine Oma stirbt, die schon lange dement und bettlägerig war. Das macht ihm natürlich schon sehr viel Angst. Aber dummerweise bleibt sie nicht tot.
    Ja, das ist ein Biest von einer Geschichte. Wenn man jetzt noch weiß, dass King als Kind die Ausgangssituation wirklich erlebt hat, gruselt es noch ein bisschen mehr, oder?

    „Das Floß“ - Jugendliche schlafen auf einem See auf einem Floß in der Sonne ein. Und dann ist da der Ölfleck, der kein Ölfleck ist, sondern ein Monster, dass sich die Jugendlichen einen nach dem anderen holt.

    „Onkel Ottos Lastwagen“ - Einst hat Onkel Otto einen Menschen mit einem Lastwagen umgebracht. Jetzt verrottet der alte Lastwagen in Sichtweite seines Zuhauses. Und er ist sich sicher, dass das Gefährt immer näher kommt.

    „Der Affe“ - immer wenn der Spielzeugaffe mit seinen Schellen Lärm macht, stirbt jemand. Wie wird man so ein Ding los?

    „Der Überlebenstyp“ - Ein Arzt ist der letzte Überlebende eines Flugzeugabsturzes auf einer einsamen Insel. Er hat jede Menge medizinisches Material, aber nichts zu essen. Also beginnt er, Teile von sich selbst zu amputieren und sich selbst aufzuessen.
    Ja, das ist echt eklig. Alles Geschichten für Menschen mit gutem Magen.

    Aber es gibt auch die eher fantastischen Geschichten, die nur am Rande Horror sind.

    „Der Fornit“ zum Beispiel ist ein kleiner Kobold, der ind er Schreibmaschine seines Autors lebt. Er hilft dem Autor bei seinen Geschichten. Allerdings wird dieser auch langsam aber sicher wahnsinnig.

    „Der Textcomputer der Götter“: Richard ist voll Trauer, weil sein Neffe, das Wunderkind Jon, bei einem Unfall ums Leben kam. Sein eigener Sohn Seth ist ein kleines Arschloch, seine Frau Lina mag er eigentlich auch nicht. Aber Jon hat ihm einen Textcomputer gebastelt, und der hat besondere Kräfte.

    „Mrs. Todds Abkürzung“ - Mrs. Todd fährt häufig die Strecke zwischen Bangor und Castle Rock, und sie sucht sich dafür immer bessere Abkürzungen. Aber bald findet sie Wege, die unfassbar kurz und schnell sind. Irgendwann sind sie kürzer, als die Luftlinie …

    „Der Mann, der niemandem die Hand geben wollte“ - eine Geschichte, die im gleichen Club erzählt wird, wie die Wintergeschichte aus Different Seasons. Wir lernen ein bisschen mehr über den seltsamen Club und über einen Mann, der niemandem die Hand geben wollte, weil seine Berührung tödlich war.

    Skeleton Crew ist eine bockstarke Sammlung kurzer Werke von King. „Der Nebel“ ist, da möchte ich mich festlegen, der beste Kurzroman, der nicht zu den Different Seasons gehört. Und der beste Horrorkurzroman. Und es gibt die wirklich harten Geschichten, aber auch viele, die faszinierend und fantasievoll sind. Ich mag speziell den Fornit und die Abkürzungen sehr.
    Absolute Leseempfehlung, speziell für Liebhaber:innen des Horrors.

    Verfasst in Buchclub weiterlesen
  • Hollarius

    @mätti Einmal im Monat haben wir einen kleinen Event, der dem Forum den Namen gegeben hat. Die Schreibnacht ist einerseits der Abend, an dem uns Special Guests im Forum besuchen und sich von uns ausfragen lassen, das machen wir immer von 20 bis 21 Uhr, und danach gibt es die Schreibnachtetappen, in denen wir alle an unseren Projekten arbeiten, zwischendurch ins Forum schauen, um zu erzählen, wie weit wir in der letzten Stunde gekommen sind, Fragen und Aufgaben zu beantworten oder einfach nur in der virtuellen Teestube abzuhängen und zu quatschen. In der Schreibnacht sind üblicherweise sehr viele Mitglieder online, auch die, die sonst seltener auftauchen, und man kann das schöne Gefühl haben, dass da draußen ein paar Dutzend Menschen sind, die genauso am Manuskript verzweifeln, wie man selbst.

    Verfasst in Vorstellungsrunde weiterlesen

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