• Hollarius

    @schreibratte Ich mag “Vita brevis” sehr, die ehemalige Geliebte des Kirchenvaters Augustus schreibt ihm einen Brief, einen seeeehr langen Brief^^. Sehr witzig und man lernt viel über das frühe Christentum.
    Außerdem “Der Geschichtenverkäufer” - ein Typ mit unfassbarer Fantasie verkauft mittelmäßigen Schriftsteller:innen High Quality-Konzepte für Romane und Geschichten. Die sind mir am meisten im Gedächtnis geblieben, den Geschichtenverkäufer habe ich schon mehrfach gelesen.

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  • Hollarius

    Habe gerade “Genau richtig” von Jostein Gaarder hinter mir. Die meisten kennen den Namen nur von Sophies Welt, aber ich habe eine ganze Menge von ihm gelesen. Ich mag die oft sehr tiefen Gedanken seiner Bücher. Genau richtig ist eine kleine Novelle aus der Sicht von einem Menschen, der von seiner Hausärztin gesagt bekommt, dass er vermutlich nur noch ein Jahr oder so zu leben hat. Ziemlich klar und kompromisslos.

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  • Hollarius

    @yoshii sagte in Der Witz, die Pointe und der ganze Rest:

    wo man das Gefühl hat, der Autor ergeht sich so an seinem Humor, dass der zum Selbstzweck wird.

    ja, aber das ist ja genau das, was @Frau-Maus und ihr Zitat oben meint. Dass die Geschichten in Pointen und Humor ersticken. Wenn du dabei keine Geschichte erzählst, ist es halt nix. (Safier, ja, da habe ich auch nie so richtig verstanden, was die Leute an ihm finden. …)

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  • Hollarius

    @frau-maus sagte in Der Witz, die Pointe und der ganze Rest:

    Sein Tipp deswegen: Auf die Comedic Storyline zuerst fokussieren und dann einzelne Witze wie an einer Wäscheleine daran aufhängen, aber bloß nicht anders rum.

    ja, das ist sauwichtig. Man sieht an so manchem parodistischen Film, dass das nicht gelingt. “Der Schuh des Manitou” hat ganz großartige Gags - im Gegensatz zu den Nachfolgern -, interessiert sich aber nicht für seine eigene Geschichte. Und dann wird es halt ab einem gewissen Punkt - meistens Midpoint- ziemlich schwer, halbwegs die Spannung zu halten, die es eben auch noch braucht.
    Ich glaube, deswegen sind die meisten brauchbaren Komödien halt RomComs, weil man dann genug Plot hat, und am Ende das Happy End gut vorbereitet wird.
    War übrigens das erste, was ich mir beim Trashfilm - der immer noch keinen Arbeitstitel hat - vorgenommen habe. Ich baue einigermaßen künstlich und mit hartem Plotting eine Heldenreise auf. Aber die gibt es mit quasi jedem der, ich glaub, siebzehn Punkte. Denn ich brauche die klare Form, damit ich damit die hirnrissige Grundidee und die völlig durchgeknallten Charaktere gebändigt bekomme. Und dann in den einzelnen Szenen achte ich darauf, dass die Gags mir nirgendwo so ganz den Plot abwürgen. Und dass ich keinen Charakter einem Gag opfere. Denn das ist auch schnell passiert. Dass du einen Nebencharakter eigentlich nur einbaust, damit er einen guten Gag hat, und dass du danach mit dem Charakter nichts mehr anfangen kannst.

    @yoshii sagte in Der Witz, die Pointe und der ganze Rest:

    Dafür muss ich aber doch genau wissen, wie Humor funktioniert und mir für die Stelle passenden Humor aussuchen? Wirkt das dann nicht schnell so arg gewollt?

    Du musst nur wissen, wie dein Humor funktioniert, denn ich glaube, wenn du keinen Spaß damit hast, wird es auch sonst niemand. Ich glaube, Humor ist noch schwerer zu lernen, als jetzt meinetwegen Spannung oder Kampfszenen oder sowas. Ich habe eher das Problem, wenn ich so absurd-komische Dinge schreibe, dass ich aufpassen muss, den Humor im Zaum zu halten. Meistens läuft der Blödsinn ganz von allein. Wenn man das Gefühl hat, man muss irgendwo einen Gag rein konstruieren, ist es imho immer recht schwierig. Am besten versucht man es dann wahrscheinlich mit einem harten Tabubruch, denn die gehen irgendwie immer.

    @lmtl sagte in Der Witz, die Pointe und der ganze Rest:

    Öhm. Ironie? (Sarkasmus?) Wortwitz? Jede Art von sprachlichem Humor?

    Ja, aber Ironie und Sarkasmus basieren eigentlich immer auf Übertreibung bzw. darauf, dass man das Gegenteil von dem sagt, was man meint - das ist dann der Defekt.
    Sprachlicher Humor, richtig, ich glaube, der basiert auch oft auf Defekten, zum Beispiel Stilbrüchen und “falscher” Grammatik und sowas: Ich heiße Hollarius und Sie herzlich willkommen, sowas. Aber es gibt Lautmalereien und Dinge, die sich halt irgendwie witzig anhören. Die sind sicherlich ein spezieller Fall. ;)

    @frau-maus sagte in Der Witz, die Pointe und der ganze Rest:

    Statt dessen solle man zuerst an die Storyline denken und bedenken, dass der einzelne Witz diese immer kurzzeitig ausbremsen kann

    Genau, Gags sind ein Pacing-Problem. Das ist im Theater so ganz schwierig, weil man da auch noch mit der Zuschauerreaktion arbeiten muss. Jedes laute Lachen nimmt einem alle Spannung aus der Geschichte. deswegen sollte man nie die besten Pointen in die Mitte einer Szene schreiben. Nette Sprüche am Rande gehen immer, aber man sollte sich klar machen, schicke ich den dicken Mann (mich, ich erzähle aus einer Inszenierung) auf der Bühne zum Arzt, lasse ihn sich den Bauch halten: “Herr Doktor, Herr Doktor, ich bekomme ein Kind!” Dann beginne ich mit einer - mediokren - Pointe. Dann muss ich mir klar machen, dass ich das Publikum an der Stelle erstmal rauswerfe und dass die Szene eher langsam sein muss, damit ich das Publikum wieder einfangen kann.

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  • Hollarius

    Lasst uns doch mal über Humor sprechen. Also, wie geht Humor? Wie kann ich “lustig” sein? Kann ich lernen, lustig zu sein?

    Disclaimer: Ich bin nicht lustig, sage ich immer wieder, ich weiß aber, dass das Unsinn ist. Meine Versuche lustig zu sein, klassische Comedy zu schreiben, die funktionieren nicht, dafür kann ich ganz gute Oneliner - jetzt auch nicht ständig, aber manche sind okay - und ich kann Menschen ganz gut miteinander reden lassen, so dass Lesende das amüsant finden. Vor allem aber habe ich Komödien inszeniert und ziemlich verrückte Theaterstücke geschrieben, die … nun ja … hauptsächlich auf ein paar guten Pointen beruhten. (Normalerweise schreibe ich Dramen, die etwas sehr düsteres haben, wo ich aber vor der Katastrophe durchaus ein paar Gags einstreue, wenn sie mir gelingen. Aber speziell für Kinderstücke habe ich einige ziemlich chaotische Dinge geschrieben, die man prinzipiell als Komödien bezeichnen könnte - und ich schreibe im Moment als Spaßprojekt das Drehbuch für einen Trashfilm, was mich hierzu auch inspiriert hat.)

    Ich erinnere mich mal kurz an ein ziemlich cooles Thema im Deutschunterricht, wir haben nämlich in der siebten Klasse mal ein paar Wochen über Witze gesprochen (ja, ich hatte einen verdammt guten Deutschlehrer) und das, was ich daraus als große Weisheit mitgenommen habe, ist: Jede Pointe beruht auf einem Defekt. Irgendwas ist kaputt, sonst gibt es keinen Witz.
    Ich hab mal ein Beispiel gegoogelt:

    Kommt ein Mann zur Wahrsagerin und setzt sich vor die Kristallkugel. „Wie ich sehe, sind Sie Vater von zwei Kindern“, sagt die Wahrsagerin. „Das glauben SIE!“, erwidert er. „Ich bin Vater von drei Kindern.“ Die Wahrsagerin lächelt und antwortet: „Das glauben SIE!“

    Warum ist das lustig - uh, das ist nicht mehr lustig, wenn du die Pointe erklärst! - ja, tut mich auch leid! -, nun, weil der Mann meint, auftrumpfen zu können, und damit auf die Nase fällt, weil etwas in seinem Leben defekt ist. In seiner Beziehung gibt es ein Kind, dessen Vater er nicht ist - was zumindest heute auch nur dadurch zu einem halbwegs brauchbaren Defekt wird, weil er es nicht weiß. In anderen Zeiten hätte das auch funktioniert, wenn er es eigentlich besser gewusst hätte, denn Defekte sind zeitabhängig.

    Noch ein Beispiel:

    Zwei Jäger gehen auf die Jagd und wandern durch den Wald. Plötzlich greift sich der eine an die Kehle und stürzt zu Boden. Der andere Jäger gerät in Panik und ruft den Notarzt an: “Ich glaube mein Freund ist tot, was jetzt?” Der Arzt sagt: “Beruhigen Sie sich! Zunächst einmal müssen Sie sicher gehen, dass Ihr Freund wirklich tot ist.” Kurze Pause, dann ein Schuss. Dann kommt er wieder ans Telefon. “OK, erledigt, und was jetzt?”

    Der Defekt ist hier, dass der überlebende Jäger offenbar etwas falsch verstanden hat.

    Noch mal ein bisschen klarer: Defekt heißt nicht, dass irgendwas wirklich falsch oder kaputt ist. Es gibt jede Menge diskriminierender Witze, in denen der “Defekt” ist, dass jemand anders aussieht oder eine andere Sprache spricht und so weiter. Da gibt es eigentlich keinen Defekt, und wenn man die Vorurteile nicht teilt, findet man die Gags auch gar nicht lustig. (Letztens erzählte mir ein Schüler einen rassistischen Witz und bekam statt eines Lachers eine fünfminütige Abhandlung darüber, warum das gar nicht witzig ist. Die hatte er sich verdient.) Wenn Gags, die auf Vorurteilen basieren, bei euch zünden, dann wisst ihr, dass ihr da noch Reflexionsarbeit zu tun habt - passiert mir auch relativ regelmäßig.

    Aber so sehr ich meinen alten Deutschlehrer verehre - nein, das ist keine Ironie - es kommen noch Dinge dazu. Zum Beispiel die gute alte Fallhöhe, meistens verbunden mit Tabus. Beide Witze arbeiten mit Fallhöhe, beim ersten Witz geht es um ein Tabu, beim zweiten um den ultimativen Einsatz, na ja, und um ein Tabu, denn natürlich ist es ein Tabu seinen Jägerkumpel einfach zu erschießen.
    Dieser Teil ist heute viel schwieriger als früher, denn in der modernen Gesellschaft gibt es glücklicherweise viel weniger Tabus als früher. Natürlich war es in den Zeiten, als “Charlys Tante” (1892), eines der bekanntesten Boulevard-Theaterstücke und auch mehrfach verfilmt, viel einfacher, mit einem Mann in Frauenkleidern die Leute zum Lachen zu bringen - weil das Tabu viel härter war als heute, wenn Conchita Wurst bei den meisten allenfalls eine hochgezogene Augenbraue erzeugt und ansonsten als Künstler*in ernst genommen wird (ja, ich spreche von der Mehrheit. Dass es in AfD- und Kirchenkreisen anders ist, geschenkt.)

    Aber neben dem Defekt und der Fallhöhe / dem Tabu, gibt es noch Humor durch wiedererkennen. Mario Barth hat da seine Karriere drauf aufgebaut, denn er bringt die ganze Zeit Dinge auf, in denen sich das Publikum ein bisschen wiederfindet. Tropes, die es kennt, einen Status Quo, in dem es sich auskennt. Aber es gibt auch bessere Beispiele. Im ersten James Bond mit Daniel Craig wird er gefragt, ob er seinen Martini geschüttelt oder gerührt haben wollte: “Sehe ich so aus, als ob mich das interessiert?” Ist gar nicht witzig, wenn man nicht weiß, dass alle Jameses vor ihm darauf bestanden haben, dass sie ihren Martini geschüttelt bekamen. Erst durch das Wiedererkennen - und den daraus resultierenden Defekt - wird es witzig, schlicht weil die Erwartung wirklich schön gebrochen wird.

    Kleiner Exkurs: Ein Running Gag funktioniert übrigens so: Irgendetwas zumindest halbwegs Witziges oder Außergewöhnliches passiert. Dann passiert es noch mal, und das irritiert. Beim dritten Mal muss es noch einmal ziemlich exakt genauso passieren, wie bei den ersten beiden Malen, ab dann kann man damit spielen. Irgendwann springt James doch über den Tigerkopf oder er rennt drumherum und wundert sich, dass er nicht gestolpert ist. Exkurs Ende.

    Parodien von Top Secret über Nackte Kanone bis zum Schuh des Manitou basieren auch stark auf dem Prinzip der Wiedererkennung. Aber hier kommt noch ein starkes Motiv mit hinein, dass den Defekt auf ein höheres Level bringt. Die Absurdität. Meine Lieblingsszene stammt aus einem der Hot Shots Filme, bei dem am Ende ein Hubschrauber in den Sonnenuntergang hinein fliegt, dann aber einmal um die Sonne herum fliegt. Einer der besten visuellen Gags, die ich je gesehen habe. Hier wird es grotesk, es passieren Dinge, die sind physikalisch nicht möglich. Also auch nach der Physik der fiktiven Welt, in der wir gerade unterwegs sind.

    Und? Wie wichtig ist euch der Humor? Habe ich noch Dinge vergessen, die hier dazu gehören? (Bestimmt habe ich das) Schreibt wer Komödien? So richtige?

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  • Hollarius

    Wollte gerade “Guten Morgen” schreiben, habe dann aber rausgeschaut und gesehen, dass es gar kein guter Morgen ist. Ich hoffe, ihr habt trotzdem einen brauchbaren Tag.
    Gestern habe ich ein bisschen was geplottet, jetzt muss ich mich nur mal überwinden, und auch schreiben.

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