• LMTL

    Ganz oft ist die Voraussetzung für ein Stipendium, dass du hauptberuflich Autor bist bzw schon mal bei einem (Publikums-)Verlag veröffentlicht hast. Weil die Dinger tatsächlich dazu da sind, deinen Lebensunterhalt zu decken - also Miete, Strom, Lebensmittel, etc. Deswegen werden häufig auch Aufenthaltsstipendien angeboten (d.h. de facto eine mietfreie Wohnung für 1 Jahr oder dergleichen, gerne an einem fancy Ort im Ausland).

    Wozu das nötig ist?
    Autoren, die Vollzeit schreiben, leben z.T. vom Vorschuss ihres Manuskripts (“Garantiehonorar”). D.h. nicht von den Einnahmen hinterher, sondern davon, dass der Verlag Leseprobe und Exposé einkauft und dafür eine Summe gemessen am zu erwartenden Erfolg (i.d.R. pi mal Daumen Erstauflage) auszahlt.
    Das kann zu folgenden Problemen führen:

    • (Bspw) E-Literatur ist zwar literarisch hochwertig, verkauft sich aber nicht immer besonders gut. D.h. die Auflage ist niedriger, d.h. der Vorschuss ist geringer. Man kann davon nicht wirklich leben - da kann ein Stipendium helfen. (Gilt allgemein überall da, wo der Verlag sich nicht sicher ist, wie viel er einspielt: Debütautoren, Nischenromane, Randgenres, etc.)
    • Man findet nicht immer im Vorhinein einen Verlag, der sagt, “das kaufe ich dir nur auf Basis von Exposé und Leseprobe ab”. Dafür ist ein Stipendium auch gut, weil man das Manuskript in Ruhe fertigstellen und dann verkaufen kann.
    • I.d.R. entscheiden Verlage, wann ihnen ein Manuskript in den Kram (= das Programm) passt. Und wenn das erst in 2 Jahren ist, bekommt man das Geld auch erst entsprechend später (i.d.R. so was wie 50% sofort, 50% bei Manuskriptabgabe, Tantiemen entsprechend erst viele Monate nach Erscheinen). Dadurch entstehen große Zeiträume und wenn man dann mal ein Manuskript zu wenig (oder zum falschen Zeitpunkt) verkauft, gerät man schnell in finanzielle Nöte.

    Zwischen Bestsellerautor und “Zweitberufautor” (bitte nicht an dem Begriff aufhängen :pray: ) liegt einfach eine wahnsinnig große Masse. Es macht nicht immer Sinn, dann einen “Brotjob” zu suchen, weil der Zeit frisst und man häufig sowieso “nur” zum nächsten Vertrag überbrückt.

    Es gibt bestimmt noch weitere Aspekte. Aber so weit meine 5 Cent.

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  • LMTL

    @anyasunita Ich hab mal rumgefragt. Wenn was zurückkommt, melde ich mich bei dir :slight_smile:

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  • LMTL

    @anyasunita Puh, ja. Ich habe mich eine Zeit lang tatsächlich mit dem Thema Balkanstaaten beschäftigt und war auch schon selbst dort (wer großen Wert auf political correctness legt, würde tatsächlich den Begriff Jugoslawien nicht mehr benutzen, weil er nicht mehr korrekt ist und das bei manchen ein wunder Punkt ist).

    Aber da müsste ich jetzt nochmal das genaue Jahr wissen, um das es für dich geht. Die letzten 120 Jahre waren für diese Region ja unfassbar ereignisreich. Ich werde auch mal überlegen, ob ich vllt doch noch zu jmd Kontakt habe, der dort aufgewachsen ist, aber ich fürchte nicht. :see_no_evil: Ich hab mich damit vor knapp zehn Jahren beschäftigt, das ist inzwischen einfach auch lange her.

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  • LMTL

    @anyasunita sagte in Was macht Schreiben noch besser für euch? - Schreibinspiration, Schreibatmosphäre, Schreibmedien etc.:

    Kannst du irgendwelche bestimmten Filme, Serien empfehlen? (Bücher hab ich schon genug und ich bin nicht so die Gamerin ) Oder sind die Filme, die du dann schaust, ganz speziell auf deine Buchprojekte abgestimmt?

    Freut mich sehr, dass das so gut für dich funktioniert hat! :tada:

    Zu deiner Frage: das kommt tatsächlich sehr auf das Setting und die Zeit an und auch ein bisschen die Atmosphäre an.
    Bei dir fällt mir jetzt nur super grob “Die Kinder der Seidenstraße” ein, weil es zumindest ins selbe Jahrhundert fällt und auch diesen “man legt einen weiten und z.T. bedrohlichen Weg hinter sich”-Ding hat. Oder vielleicht auch die Verfilmung zu Ghandi? (Ich finde, Ben Kingsley macht das großartig.) Ich habe auch mal einen Film gesehen über jmd, der den Dalai Lama besucht (wie hieß der denn noch?)
    Aber wahrscheinlich ist das für dich geografisch alles die falsche Richtung? :sweat_smile:
    Es gibt inzwischen ja auch viele Filme über Geflüchtete, die sind nur einfach komplett an mir vorbeigegangen (ich war in den letzten sieben Jahren 1x im Kino oder so).

    Da müsstest du einfach überlegen, was die Atmosphäre in deinem Buch ist und wie du es erzählen möchtest. Inzwischen gibt es ja auch bei Filmen immer häufiger diesen zwei Zeitebenen / Rückblick-Kram, das wäre vielleicht auch nochmal interessant für dich. Es kommt wirklich sehr darauf an, was du suchst und was du vielleicht unterbewusst ein bisschen in dein Buch transportieren möchtest.

    Wenn ich High Fantasy schreibe, würde ich bspw Witcher, Wheel of Time, LotR, Hobbit usw sofort nochmal anschauen, aber bei einem antiken Setting kämen bspw auch die ganzen Monumentalfilme in Frage (Caesar, usw). Natürlich sollte es dir auch Spaß machen. Ich glaube, wie du schon sagtest, erzeugt man den Effekt am besten, wenn es eine Mischung ist aus Unterhaltung, Kopf abschalten und so ein bisschen Atmosphäre einfangen.

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  • LMTL

    @tintenklecks Ich finde das ehrlich gesagt ziemlich faszinierend. Wie machst du das? Ich könnte das gar nicht - einen Text ohne Absätze zu schreiben - aber spannend ist es :sweat_smile:

    Kurz zur Übersicht, auch wenn das hier z.T. schon genannt wurde:
    Zeilensprünge erfolgen nach:

    • vollständiger wörtl. Rede (also inkl. aller Begleitsätze, das betrifft nicht nur sagte Yxc, sondern auch damit verknüpfte Handlungen / Mimik / Gestik der sprechenden Figur, selbst dann, wenn sie in neuem Satz erfolgt)
    • dasselbe gilt für Gedankengänge und Beschreibungen
    • tricky sind Ersatzdialoge; theoretisch erfolgt nach jeder Chatnachricht bspw ein Zeilensprung, unabhängig von unmittelbarer Reaktion darauf, liegt aber in freiem Ermessen (würde ich immer von der Lesbarkeit abhängig machen, es sei denn, du möchtest in erster Linie ein künstlerisches Statement setzen und erst nachrangig unterhalten, wie bspw bei Poesie)
    • Sinnabschnitte (ich weiß: total schwammig und geht sehr viel nach “Gefühl”)

    Leerzeile erfolgt nach:

    • Szenenende
    • Ortswechsel (auch, wenn die Handlung theoretisch noch nicht abgeschlossen ist, ist manchmal tricky; Ausnahmen sind natürlich, wenn du en Charakter wortwörtlich ins Nebenzimmer begleitest)
    • (vor und nach) Briefen oder anderen eingefügten (längeren) Schriftstücken

    Doppelleerzeile kann erfolgen nach:

    • Perspektivwechsel
    • vergleichsweise langem Zeitraum zwischen zwei Szenen innerhalb desselben Kapitels (bspw. einen Tag später)

    Allgemein gilt, was eigentlich immer gilt: perfekt musst du nichts machen, wenn du dir Korrektorat oder Lektorat suchst, aber es hilft allen Beteiligten ungemein, sich bisschen Mühe zu geben.

    Ich hoffe, ich hab nix vergessen :sweat_smile:

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  • LMTL

    @dreammaker sagte in Absätze setzen:

    Das würde mich auch mal interessieren, ob selbst diese Nuancen von uns Autoren erwartet werden?

    Nein, wie gesagt: das sind individuelle Formatierungsentscheidungen des Verlags. Die kannst du z.T. gar nicht vorhersehen.

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  • LMTL

    Ganz so einfach ist es nicht.
    Dazu muss man aber zwei Dinge unterscheiden, wo du @Tintenklecks mir auch nochmal helfen müsstest. Meinst du mit Absatz Fall 1:
    “Wörtliche Rede, blabla”, sagte YXZ. Zeilensprung / Absatz?
    “Wörtliche Rede des Dialogpartners, blabla.”

    Oder meinst du Fall 2:
    “Ende Szene ABC"
    Leerzeile / Absatz
    "Anfang Szene ABC”
    ?

    Denn Fall 1 stelle ich mir extrem schwierig zu lesen vor. Das hieße ja dann gegebenenfalls so was wie: “blabla.” “blupblupp.” “blabla.” hintereinanderweg. Das könnte ich als Lektor nur schwer ertragen, glaube ich :sweat_smile:

    Fall 2 kann tatsächlich in Ausnahmefällen schwierig sein und Ja, da hat @Dreammaker durchaus recht, da haben Lektorat und Herstellung / Satz im Verlag mitzureden. ( @Dreammaker hatte dort kurz ein Beispiel mit maritinem Symbol genannt, glaube ich.) Ich setze bspw. in meinen Texten Absätze durchgängig mit einer Leerzeile um. Ich setze weder Symbole, noch mache ich Doppelleerzeilen oder dergleichen. Verlage hingegen machen das schon und müssen dann auch entscheiden, wie und wo das passieren soll. Natürlich habe ich als Autor im Regelfall (Übersetzungen und Co mal außen vor) die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen, aber ganz so einfach ist es nicht:
    Formatierungen für von Chatnachrichten, Briefe, usw., die in einen Text einfließen, sind Dinge, wo immer Autor, Lektor und Satz / Herstellung des Verlags Hand in Hand zusammenarbeiten müssen, sonst funktioniert es nicht. (Kommt eine Leerzeile vor den Brief oder nicht, kommt eine Leerzeile vor eine einzelne Chatnachricht oder ein Chatgespräch? Was passiert, wenn es zum Chatgespräch noch Begleitsätze gibt, wie man sie sonst eher aus der wörtlichen Rede kennt? Dann wird es sehr schnell sehr spaßig :grin: und man ist als Autor auf die Kommunikation mit dem Verlag angewiesen, weil man selbst einfach nicht weiß, was umsetzbar ist und sich nicht hinstellen und sagen kann: “Ich habe dieses Kunstwerk erfunden und ihr müsst alle machen, was ich sage”. Im Selfpublishing hat man da sicherlich mehr Freiheiten, aber mit einem (Groß-)Verlag braucht es ein gewisses Maß an Teamfähigkeit und Kompromissbereitschaft.

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  • LMTL

    @anyasunita Schöne Frage :heart:

    Ich kann es leider nicht immer so umsetzen, aber mir hilft ein Programm aus Ablenkung und langen Schreibsessions. Also erst eine Serie / Film / Buch / Game (optimalerweise in ähnlichem Setting). Danach sind die Batterien aufgeladen, ich habe den Alltag vergessen und kann fokussiert für mehrere Stunden arbeiten.

    Atmosphäre ist für mich sehr wichtig. Ich kann zwar durchaus im Gewusel arbeiten, bevorzuge aber Stille, wenig Licht (Nacht o. Dämmerung) und keine Menschen im selben Raum. Worunter ich absolut nicht arbeiten kann, ist Beobachtung - jemand neben mir, hinter mir, etc. geht gar nicht.
    Mir helfen aufs Projekt zugeschnittene Playlists, manchmal Moodboards oder sogar TikToks (gerade Letztere motivieren mit Extraportion guter Laune).

    Und ich brauche das Gefühl etwas geschafft zu haben. Fortschritt, Erfolg, wie auch immer. Wie man das genau festhält, ist ja jedem selbst überlassen. Mir persönlich helfen Wordcounts (bzw allg. “XyZ habe ich heute gemacht”-Listen) tatsächlich, weil ich dann auch mal sagen kann: okay, ich habe so und so und Viel geschafft und jetzt ist mal gut. Als Autor kennt man ja das Wort Wochenende nicht ;) D.h. mamchmal hole ich meinen Sonntag dann am Mittwoch nach, wenn ich merke, ich brauche eine Pause. Oder ich sage eben umgekehrt doch: ohje, die letzten Tage waren mau, woran liegt’s und wie kann ich es ändern. Reflexion ist wichtig, nicht nur beim Plotten :joy:

    Und natürlich Community. Wobei ich persönlich eher in kleineren Kreisen unterwegs bin. Wenige, dafür auf gleicher Wellenlänge. :heart:
    Früher hat mir auch Feedback geholfen. Das ist inzwischen genau umgekehrt - aber vllt bringt es ja anderen was (:

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